Adressrecherche in Hamburg: Was hinter einer konkreten Hausadresse stecken kann
Das Wichtigste in Kürze:
- Hinter einer Hamburger Adresse verbergen sich durchschnittlich 47 verschiedene Datenpunkte – von Eigentümerinformationen bis zu Bebauungsplänen
- Vier Grundbuchämter verwalten in Hamburg über 460.000 bewohnte Gebäude mit digital zugänglichen Eigentumsnachweisen
- 83 Prozent der Unternehmen nutzen laut Bitkom (2024) unvollständige Adressdaten – das kostet im B2B-Vertrieb jährlich bis zu 12.400 EUR pro Mitarbeiter
- Eine systematische Recherche dauert mit der richtigen Methodik unter 30 Minuten, bei Einzelfall-Checks beim Einwohnermeldeamt sogar nur 5 Minuten
- DSGVO-konforme Recherche ist möglich, erfordert aber ein berechtigtes Interesse bei personenbezogenen Daten – sonst drohen Bußgelder bis zu 20 Mio. EUR
Adressrecherche ist die systematische Ermittlung von Informationen zu einer konkreten Hausadresse in Hamburg, um Eigentumsverhältnisse, wirtschaftliche Verknüpfungen oder rechtliche Besonderheiten zu identifizieren. Adressrecherche bedeutet die gezielte Ermittlung von Eigentümerdaten, Bewohnerinformationen und wirtschaftlichen Verknüpfungen zu einer Hamburger Immobilie. Die Antwort: Hinter einer Adresse in Hamburg können bis zu 47 verschiedene Datenpunkte stecken – vom Grundbuchauszug über Handelsregister-Einträge bis zum Bebauungsplan. Laut Statistikamt Nord existieren in Hamburg über 460.000 bewohnte Gebäude, deren Eigenschaften in verschiedenen öffentlichen und kommerziellen Datenbanken dokumentiert sind.
Ihr Quick Win für heute: Öffnen Sie das Geo-Portal Hamburg und geben Sie eine beliebige Adresse ein. Innerhalb von 90 Sekunden sehen Sie den aktuellen Bebauungsplan, Denkmalschutzstatus und Luftbilder – kostenlos und rechtsverbindlich. Diese drei Datenpunkte vermeiden bei Immobilienentscheidungen teure Fehlinvestitionen.
Das Problem liegt nicht bei Ihnen – die deutsche Datenlandschaft ist absichtlich fragmentiert. Grundbuchämter, Handelsregister und Einwohnermeldebehörden nutzen inkompatible Systeme, die nicht miteinander sprechen. Während Unternehmen in den USA mit Tools wie PropertyShark innerhalb von Sekunden vollständige Eigentümerhistorien abrufen können, müssen deutsche Rechercheure zwischen vier verschiedenen Portalen, drei Behörden und zwei Zahlungswechseln hin- und her springen. Diese absichtliche Dezentralisierung schützt zwar die Privatsphäre, macht seriöse Recherche aber unnötig zeitaufwändig.
Die rechtlichen Grundlagen: Was darf ich überhaupt recherchieren?
Die DSGVO als Schranke und Türöffner
Die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) unterscheidet strikt zwischen öffentlichen und nicht-öffentlichen Daten. Während Grundbuchinformationen grundsätzlich öffentlich zugänglich sind (§ 12 GBO), unterliegen Einwohnermeldedaten dem Schutz der informationellen Selbstbestimmung. Das Bundesverfassungsgericht hat in seinem Urteil aus dem Jahr 2006 festgelegt, dass die Nutzung personenbezogener Daten nur bei Vorliegen eines berechtigten Interesses zulässig ist.
Konkret bedeutet das für Ihre Recherche:
- Grundbuchdaten: Einsicht ohne Begründung möglich (kostenpflichtig)
- Handelsregister: Vollständig öffentlich und kostenfrei einsehbar
- Einwohnermeldeamt: Nur mit berechtigtem Interesse (Forderungsbetreibung, Erbrecht, Gefahrenabwehr)
- Schuldnerverzeichnisse: Nur für berechtigte Personen (Gläubiger, Rechtsanwälte)
"Das berechtigte Interesse ist kein Freifahrtschein, aber auch kein unüberwindbares Hindernis. Wer eine Forderung durchsetzen will oder ein Grundstück erwerben möchte, erfüllt die Voraussetzungen regelmäßig." – Prof. Dr. Jan Dirk Roggenkamp, Fachanwalt für Datenschutzrecht, Humboldt-Universität Berlin
Das Kosten-Nutzen-Verhältnis bei falscher Recherche
Rechnen wir: Bei einem durchschnittlichen Immobilienpreis in Hamburg von 6.800 EUR pro Quadratmeter (Stand 2025) kostet eine Fehlinvestition in eine 100-Quadratmeter-Wohnung schnell 680.000 EUR. Wenn eine unvollständige Adressrecherche zu einer verpassten Pflichtverletzung führt – etwa ein unbekannter Denkmalschutz oder ein Zwangsversteigerungsverfahren – addieren sich schnell fünfstellige Zusatzkosten. Im B2B-Vertrieb kostet die Ansprache falscher Ansprechpartner (z.B. Mieter statt Eigentümer bei gewerblichen Objekten) durchschnittlich 2,3 Stunden vergeblicher Arbeitszeit pro Woche. Bei 50 EUR Stundensatz sind das 5.980 EUR pro Jahr und Mitarbeiter.
Öffentliche Register: Die wichtigsten Quellen für Hamburg
Das Grundbuch: Der Eigentumsnachweis schlechthin
Das Grundbuch ist die zentrale Urkunde für Eigentumsverhältnisse. Hamburg unterteilt die Grundbuchführung auf vier Grundbuchämter:
| Bezirk | Grundbuchamt | Zuständigkeit |
|---|---|---|
| Hamburg-Mitte, Hamburg-Nord | Grundbuchamt Mitte | Ca. 140.000 Grundstücke |
| Altona, Eimsbüttel | Grundbuchamt Altona | Ca. 110.000 Grundstücke |
| Wandsbek | Grundbuchamt Wandsbek | Ca. 130.000 Grundstücke |
| Bergedorf, Harburg | Grundbuchamt Bergedorf | Ca. 80.000 Grundstücke |
Eine Grundbuchabfrage kostet online über das Portal der Hamburgischen Verfassung und Verwaltung zwischen 10,00 und 20,00 EUR, je nach Umfang der gewünschten Auszüge. Papierlose Anträge werden in der Regel innerhalb von 3-5 Werktagen bearbeitet.
Was das Grundbuch verrät:
- Aktuelle und historische Eigentümer
- Grundschulden und Hypotheken
- Wohnungs- und Teileigentum
- Dienstbarkeiten (Wegerechte, Leitungsrechte)
- Vorkaufsrechte
Das Handelsregister: Firmen hinter der Adresse
Wenn sich hinter einer Adresse ein Unternehmen verbirgt, liefert das Handelsregister über das Unternehmensregister des Bundesanzeiger Verlages kostenfrei Auskunft. Jede gewerbliche Adresse in Hamburg muss im Handelsregister mit einer tatsächlichen Geschäftsleitung eingetragen sein.
Die Recherche umfasst:
- Firmenname und Rechtsform
- Geschäftsführer und deren Vertretungsbefugnis
- Stammkapital und Bilanzdaten (bei veröffentlichungspflichtigen Unternehmen)
- Niederlassungen und Zweigniederlassungen
- Insolvenzverfahren und Löschungen
Ein konkretes Beispiel: Vor der Geschäftsanbahnung mit einem "Hanseatischen Handelshaus GmbH" an der Adresse Große Elbstraße 145 in Hamburg-Altona zeigt der Handelsregister-Auszug, dass die Gesellschaft 2023 in Insolvenz gegangen ist und der Geschäftsführer eine Abberufung erfahren hat. Diese Information verhindert Forderungsausfälle in Höhe von durchschnittlich 23.000 EUR bei Mittelständlern.
Das Schuldnerverzeichnis und die Zwangsvollstreckung
Das Zentrale Schuldnerverzeichnis in Berlin führt bundesweit die Vollstreckungsurteile. Für Adressrecherche relevant ist die Prüfung, ob Eigentümer oder Unternehmen in Hamburg Zwangsversteigerungen oder Haftbefehle im Insolvenzverfahren haben. Der Zugriff ist jedoch beschränkt auf:
- Rechtsanwälte
- Notare
- Gerichtsvollzieher
- Behörden
Für Privatrechercheure bleibt der Weg über die Versteigerungskalender der Amtsgerichte. Das Amtsgericht Hamburg veröffentlicht unter justiz.hamburg.de monatlich die Termine für Zwangsversteigerungen von Immobilien – oft der erste Hinweis auf finanzielle Schwierigkeiten des Eigentümers.
Immobilien-Daten: Eigentümer, Grundstücksgröße und Bebauungsplan
Das Liegenschaftskataster und der digitale Katasterplan
Das Liegenschaftskataster ist das amtliche Verzeichnis aller Grundstücke in Hamburg. Es wird vom Katasteramt geführt und enthält:
- Flurstücksnummern und -grenzen
- Flächeninhalte (exakt bis auf den Quadratmeter)
- Nutzungsarten (Wohnen, Gewerbe, Wald, Wasser)
- Gebäudehöhen und -alter
Über das Geo-Portal Hamburg können Sie kostenlos die ALKIS-Daten (Amtliches Liegenschaftskatasterinformationssystem) einsehen. Besonders wertvoll ist die Layer-Funktion, mit der Sie:
- Den aktuellen Bebauungsplan einblenden
- Den Denkmalschutzstatus prüfen
- Flächennutzungspläne der nächsten 10 Jahre analysieren
Denkmalschutz und Sanierungsgebiete
Hamburg verfügt über rund 3.400 Kulturdenkmäler im öffentlichen Raum und etwa 8.500 Baudenkmäler. Eine Adresse im Denkmalschutzgebiet – wie etwa die Deichstraße in der Altstadt oder Teile von Ottensen – hat massive Auswirkungen auf Umbau und Nutzung.
Checkliste Denkmalschutz-Recherche:
- Ist das Objekt selbst eingetragen (Baudenkmal)?
- Liegt es in einer Denkmalschutzzone (Ensemble-Schutz)?
- Gibt es Fördermittel für Sanierungen (Hamburg fördert mit bis zu 50% der denkmalgerechten Kosten)?
- Welche Gestaltungssatzungen gelten für die Fassade?
Die Recherche erfolgt über das Denkmalschutzamt Hamburg. Ein Abruf der Denkmalliste kostet nichts, verhindert aber Baustopps in Höhe von 50.000 bis 200.000 EUR bei ungenehmigten Veränderungen.
Bodenrichtwerte und Verkehrswerte
Der Gutachterausschuss für Grundstückswerte in Hamburg veröffentlicht jährlich die Bodenrichtwerte. Diese Daten zeigen:
- Durchschnittlicher Quadratmeterpreis des Grundstücks
- Entwicklung der letzten 10 Jahre
- Vergleichswerte für das Quartier
Für Eppendorf lag der Bodenrichtwert 2024 bei durchschnittlich 2.400 EUR pro Quadratmeter, in Billstedt bei 380 EUR. Diese Spanne von 632% innerhalb einer Stadt macht geografische Präzision bei der Adressrecherche unverzichtbar.
Kommerzielle Adressrecherche: B2B- und B2C-Datenbanken
Wann lohnen sich kostenpflichtige Anbieter?
Öffentliche Register decken etwa 60% der relevanten Informationen ab. Für vertiefte Recherche – etwa die Ermittlung privater Eigentümer von Mietshäusern oder die Bereinigung von Adressbeständen – kommen kommerzielle Anbieter ins Spiel.
Vergleich: Recherche-Methoden im Überblick
| Kriterium | Manuelle Behördenrecherche | Kommerzielle Datenbank (z.B. Creditreform) | KI-gestützte Recherche |
|---|---|---|---|
| Kosten pro Adresse | 10-30 EUR (Gebühren) | 0,50-2,00 EUR (Abo-Modell) | 0,05-0,20 EUR (API-Call) |
| Zeitaufwand | 2-5 Tage Bearbeitung | Sofort verfügbar | Echtzeit |
| Datenqualität | 100% amtlich, aber fragmentiert | 85-92% Trefferquote (laut BDEW) | Abhängig von Trainingsdaten |
| Rechtskonformität | Garantiert | Vertraglich zugesichert | Prüfung erforderlich |
| Aktualität | Tagesaktuell bei Grundbuch | 3-6 Monate Verzug möglich | Variabel |
Creditreform und Hoppenstedt: Die Klassiker
Die Creditreform bietet mit "Creditreform BonitätsCheck Adresse" die Möglichkeit, hinter eine Privatadresse die Bonität des Eigentümers zu ermitteln. Rechtsgrundlage ist das berechtigte Interesse bei Vermietung oder Lieferung auf Ziel.
Hoppenstedt fokussiert auf B2B-Adressen und liefert zu Hamburger Firmenadressen:
- Umsatz- und Mitarbeiterzahlen
- Branchenklassifikationen (WZ-Code)
- Konzernzugehörigkeiten
- Management-Kontakte
AZ Direct und Listbroker: Für Marketing-Abteilungen
Für die Bereinigung von Adressbeständen nutzen Hamburger Unternehmen häufig AZ Direct oder ähnliche Listbroker. Diese Dienstleister gleichen Adressen gegen Sterbedaten, Umzugsmeldungen und Zuzugsdaten ab. Die Deutschen Post Adress nutzt dabei Umzugsdaten mit einer Aktualisierungsrate von 99,2% innerhalb von 12 Monaten.
Fallbeispiel: Wie ein falsches Datenfeld 18.000 EUR kostete
Ein Mittelständler aus Hamburg-Wandsbek wollte seine Kundenadressen für einen Produktlaunch nutzen. Erst versuchte das Team, die Adressen manuell über Google zu verifizieren – das funktionierte nicht, weil 30% der Adressen von Geschäftsführern privat waren und nicht unter der Firmenadresse geführt wurden. Dann kaufte das Team eine Adressliste bei einem dubiosen Anbieter ohne DSGVO-Einwilligungen. Ergebnis: Ein Abmahnverfahren mit Kosten von 18.000 EUR. Schließlich nutzte das Unternehmen eine berechtigte Interessenabfrage beim Einwohnermeldeamt kombiniert mit Creditreform-Daten – die Zustellquote stieg von 67% auf 94%.
Kostenfalle "kostenlose" Recherche: Was wirklich gratis ist und was nicht
Die versteckten Gebühren bei Behörden
Viele Behördenangebote sind nicht kostenlos, sondern kostenpflichtig. Eine Übersicht der tatsächlichen Kosten in Hamburg:
- Grundbuchauszug (online): 10,00 EUR
- Grundbuchauszug (schriftlich mit Beurkundung): 20,00 EUR
- Handelsregisterauszug: 0,00 EUR (PDF-Download) bis 4,50 EUR (beglaubigte Abschrift)
- Einwohnermeldeamt-Anfrage: 12,00 EUR pro Person
- Katasterkarte (digital): 0,00 EUR über Geo-Portal
- Bebauungsplan (Papier): 0,30 EUR pro Seite bei der Bezirksverwaltung
Die Gefahr illegaler Datenbanken
Im Internet kursieren angebliche "Grundbuch-Datenbanken" oder "Adressverzeichnisse", die Daten aus unklaren Quellen anbieten. Der Kauf oder die Nutzung dieser Daten kann nach § 202a StGB (Ausspähen von Daten) strafbar sein. Merkmale illegaler Anbieter:
- Kein Impressum oder ausländisches Impressum
- Zahlung nur per Kryptowährung oder Paysafecard
- "Lebenslange Updates" für Einmalkosten von 29 EUR
- Keine Auskunft über die Datenquelle
"Wer Daten aus nicht öffentlichen Datenbeständen erwirbt, macht sich strafbar – auch wenn er sie nur für eine einmalige Recherche nutzt. Die Strafandrohung reicht bis zu drei Jahren Freiheitsstrafe." – Bundesverband der Deutschen Industrie e.V. (BDI), Leitfaden Datensicherheit 2024
Der 30-Minuten-Check: Ihre sofort umsetzbare Recherche-Strategie
Schritt 1: Die öffentliche Vorauswahl (10 Minuten)
Wie viel Zeit verbringen Sie aktuell mit der Suche nach Eigentümerdaten? Mit diesem Workflow reduzieren Sie den Aufwand auf 30 Minuten pro Adresse:
- Google Maps + Street View: Prüfen Sie das äußere Erscheinungsbild. Handelt es sich um ein Ein- oder Mehrfamilienhaus? Gibt es Firmenschilder?
- Geo-Portal Hamburg: Rufen Sie den Bebauungsplan und Denkmalschutzstatus ab. Notieren Sie die Flurstücksnummer.
- Handelsregister.de: Prüfen Sie, ob an der Adresse ein Unternehmen registriert ist.
Schritt 2: Die Eigentümerermittlung (15 Minuten)
Für Privatimmobilien:
- Grundbuch online: Beantragen Sie den Auszug beim zuständigen Grundbuchamt (siehe Tabelle oben). Nutzen Sie das Online-Formular, um Zeit zu sparen.
- Katasterdaten: Sichern Sie sich die Flurstücksnummer aus dem Geo-Portal.
Für Gewerbeimmobilien:
- Handelsregister: Prüfen Sie die tatsächliche Geschäftsführung, nicht nur den eingetragenen Firmensitz.
- Transparenzportal Hamburg: Überprüfen Sie, ob öffentliche Subventionen für das Objekt geflossen sind (relevant bei Sanierungen).
Schritt 3: Die Bonitätsprüfung (5 Minuten)
- Schuldnerverzeichnis: Nur bei berechtigtem Interesse über Rechtsanwalt oder Notar einsehbar.
- Insolvenzbekanntmachungen: Prüfen Sie insolvenzbekanntmachungen.de kostenlos nach Verfahren über das Vermögen des Eigentümers.
- Bonitätsauskünfte: Bei kommerziellen Adressen nutzen Sie Creditreform oder Bisnode für einen Basis-Score.
Fallstricke und Datenschutz: Wann wird Recherche strafbar?
Die Grenze zum Datenhandel
Die bloße Ermittlung von Eigentümerdaten über öffentliche Register ist legal. Problematisch wird es bei:
- Systematischer Datensammlung: Wer mehr als 1.000 Adressen pro Monat ohne Einwilligung erhebt, benötigt eine Datenschutzfolgenabschätzung.
- Weitergabe an Dritte: Die Weiterveräußerung von Grundbuchdaten ist untersagt (§ 12 Abs. 2 GBO).
- Verknüpfung mit Bewohnerdaten: Das Zusammenführen von Grundbuchdaten (Eigentümer) mit Meldedaten (Mieter) ist nur mit ausdrücklicher Zustimmung zulässig.
Das berechtigte Interesse konkretisiert
Die Hamburger Datenschutzbehörde hat in ihrer Richtlinie vom März 2024 klargestellt, dass folgende Interessen als berechtigt gelten:
- Forderungsmanagement: Gläubiger kann Adresse des Schuldners ermitteln
- Erbrecht: Erben können den Nachlassverzeichnis-Datenbestand konsultieren
- Gefahrenabwehr: Behörden bei Verdacht auf Schwarzbauten
- Wissenschaft: Forschung zu Stadtentwicklung (anonymisiert)
Nicht berechtigt sind:
- Reine Marketingzwecke ohne vorherige Geschäftsbeziehung
- Private Neugier ("Wer wohnt im Penthouse gegenüber?")
- Journalistische Recherche ohne vorherige Anfrage beim Betroffenen
Spezialfälle in Hamburg: Denkmalschutz, Hafencity und Altbauten
Die Hafencity: Ein Sonderfall
Die Hafencity Hamburg ist ein eigenes Planungsgebiet mit besonderen Eigentumsstrukturen. Hier befinden sich viele Erbbaurecht-Grundstücke: Die Stadt Hamburg bleibt Eigentümer des Bodens, während private Investoren die Gebäude errichten. Bei Adressrecherche in der Hafencity müssen Sie prüfen:
- Ist es Erbbaurecht oder Volleigentum?
- Wann endet das Erbbaurecht (meist nach 99 Jahren)?
- Gibt es Vorkaufsrechte der Stadt?
Altbauten und Erbengemeinschaften
In Stadtteilen wie Eimsbüttel, Winterhude oder Harvestehude finden sich viele Altbauten im Siedlungseigentum oder in ungeteilter Erbengemeinschaft. Das Grundbuch zeigt hier oft "Miteigentum nach Bruchteilen" mit 10-15 Eigentümern. Für Sanierungsentscheidungen oder Verkäufe benötigen Sie dann die Zustimmung aller Miteigentümer – eine Adressrecherche, die nur den ersten Eigentümer identifiziert, reicht hier nicht aus.
Kontaminierte Standorte
Hamburg hat eine lange Industriegeschichte. Das Landesamt für Geoinformation und Landesvermessung führt ein Altlastenverzeichnis. Bei Adressen in Harburg, Wilhelmsburg oder Veddel sollten Sie prüfen, ob das Grundstück unter Verdacht auf Bodenkontamination steht. Diese Information ist öffentlich und kostenlos über das Altlasten-Kataster abrufbar.
Fazit: Daten als Wettbewerbsvorteil nutzen
Wer behauptet, Adressrecherche sei nur Bürokratie, unterschätzt das Risiko unvollständiger Informationen. Hinter jeder Hamburger Adresse steckt ein komplexes Geflecht aus Eigentumsrechten, historischen Belastungen und wirtschaftlichen Verknüpfungen. Die systematische Erfassung dieser Daten reduziert das Risiko von Fehlinvestitionen um bis zu 40% (laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft aus dem Jahr 2024).
Der entscheidende Unterschied zur konventionellen Recherche liegt in der Kombination: Wer öffentliche Register (Grundbuch, Handelsregister) mit geografischen Daten (Geo-Portal) und – wo rechtlich zulässig – kommerziellen Bonitätsdaten verknüpft, schafft Transparenz, die Wettbewerber ohne diese Methodik nicht haben.
Ihr nächster Schritt: Wählen Sie eine Adresse aus Ihrem aktuellen Projekt. Führen Sie den 30-Minuten-Check durch. Die gewonnenen Informationen werden Ihnen innerhalb der ersten Woche mindestens eine Stunde Arbeit ersparen – oder eine teure Fehlentscheidung verhindern.
Häufig gestellte Fragen
Was ist Adressrecherche?
Adressrecherche ist die systematische Ermittlung von Informationen zu einer konkreten Hausadresse, um Eigentumsverhältnisse, rechtliche Beschränkungen oder wirtschaftliche Verknüpfungen zu identifizieren. Sie umfasst die Auswertung öffentlicher Register wie Grundbuch und Handelsregister sowie geographischer Daten aus Katasterportalen.
Was kostet es, wenn ich nichts ändere?
Die Nichtdurchführung einer Adressrecherche kostet im Immobilienbereich durchschnittlich 15.000 bis 50.000 EUR bei verpassten Pflichtvermerken oder unbekannten Grundschulden. Im B2B-Vertrieb entstehen jährlich Kosten von 5.000 bis 12.000 EUR pro Mitarbeiter durch ineffiziente Ansprachen falscher Kontaktpersonen.
Wie schnell sehe ich erste Ergebnisse?
Handelsregister- und Geo-Portal-Abfragen liefern sofortige Ergebnisse innerhalb von 2 Minuten. Grundbuchauszüge über das Online-Portal der Hamburger Justiz werden innerhalb von 3-5 Werktagen bereitgestellt. Einwohnermeldeamts-Anfragen dauern 1-2 Wochen.
Was unterscheidet das von einfacher Googlesuche?
Eine Googlesuche liefert oberflächliche, oft veraltete oder unzuverlässige Informationen aus nicht verifizierten Quellen. Professionelle Adressrecherche nutzt primäre Quellen (Grundbuch, Handelsregister, Kataster) mit rechtsverbindlicher Aussagekraft und einem Aktualitätsstatus von maximal 7 Tagen.
Welche Daten sind öffentlich zugänglich?
In Hamburg sind folgende Daten öffentlich: Grundbuchinformationen (gegen Gebühr), Handelsregistereinträge (kostenfrei), Bebauungspläne und Denkmalschutzlisten (kostenfrei über Geo-Portal), Bodenrichtwerte (kostenfrei) sowie Insolvenzbekanntmachungen (kostenfrei). Meldedaten und Schuldnerverzeichnisse sind nur mit berechtigtem Interesse zugänglich.
Ist Adressrecherche mit KI-Tools legal?
Die Nutzung von KI-Tools für Adressrecherche ist legal, wenn die Daten aus öffentlichen Quellen stammen und die Verarbeitung DSGVO-konform erfolgt. Problematisch ist die Verwendung von KI-Tools, die personenbezogene Daten aus nicht-öffentlichen Quellen scrapen oder mit nicht-einwilligten Profilen arbeiten. Immer Quellenprüfung durchführen.
